lange versprochen, endlich da

Veröffentlicht: 18/01/2011 in politisch

Ich fange mittlerweile das dritte Mal mit diesem Text an. Ständig mach ich mir beim Schreiben Gedanken darüber, ob man das jetzt so sagen kann oder kann man da was falsch verstehen. Bei einem so heiklen Thema möchte ich nicht so schreiben, dass ich als fremdenfeindlich dastehe. Also gleich zu Beginn des Textes. Ich stehe politisch gesehen Links. Kein Kommunist, aber trotzdem denke ich, dass ein paar sozialstaatliche Eingriffe mehr unserem Land sehr gut tun würden. Auf lange Sicht gesehen müssen wir uns aber über größere Verwaltungsräume Gedanken machen. Man kann der Situation nicht mehr Herr werden, wenn man an den einzelnen kleinen Nationen festhält. Die Mitglieder der Europäischen Union müssen anfangen darüber nachzudenken wie ein Europäischer Staat aussehen könnte. Soviel zu meiner politischen Einstellung. Falls man irgendwas von dem was ich da schreibe als fremdenfeindlich, rechts oder sonst irgendwie menschenverachtend verstehen könnte, ich meine es nicht so.

Ich arbeite mit Schülern der achten und neunten Klasse einer Hauptschule und mit Jugendlichen die mit der Hauptschule fertig sind. Man kann also sagen ich arbeite mit jungen Menschen mit Migrationshintergrund im Alter zwischen 15 und 18 Jahren. Gut, ich gebe es zu, ein junger Mensch hat keinen Migrationshintergrund ;-). Da habe ich Menschen mit unterschiedlichsten Fähigkeiten und Kenntnissen. Aber alle haben eines gemeinsam, sie verkaufen sich unter Wert. Diese Menschen wachsen in einer Umgebung auf in denen ihnen Tag für Tag vermittelt wird, dass sie nichts können und eh nie einen Beruf erlernen werden. Das wird denen solange erzählt bis sie es selber glauben. Ich hatte einmal ein Gespräch mit einer Klassenlehrerin über ein Projekt das ich mir mit einem Kollegen ausgedacht hatte. Nachdem sie sich angeschaut hatte was wir geplant hatten sagte sie, ihre Schüler würden das nicht schaffen. Es wären ja nicht umsonst Hauptschüler. Wir hatten alle eine Gruppe von acht Schülern. Bei mir und meinem Kollegen war es ein voller Erfolg. Bei der Klassenlehrerin eine Katastrophe. Dieses Beispiel soll verdeutlichen, dass es auch immer auf die Einstellung ankommt mit der man auf die Leute zu geht. Das ist Integration wie sie im deutschen Schulsystem gelebt wird. Wenn mal eine Landesregierung was ändern will stellen sich die Eltern auf die Straße und sorgen dafür, dass die alte Dreigliedrigkeit erhalten bleibt. Siehe den Fall der Gesamtschule in Hamburg.

Klar beschreibe ich hier meine Erfahrung mit den Geschehissen an Schulen. Aber das lässt sich auch gesamtgesellschaftlich so betrachten. Wirklich willkommen waren „Ausländer“ hier doch nie. Man hat die doch immer mit einem komischen Gefühl angeschaut. Ich habe einen Großteil meiner Kindheit und Jugend in einem Jugendhaus verbracht. Beide Elternteile haben dort gearbeitet. Ich habe also viel mit den Besuchern des Jugendhauses zu tun gehabt. Meine besten Freunde hatten ausnahmslos dunkle Haut, schwarze Harre und dunkelbraune Augen. Es waren Italiener, Türken, Kurden, Griechen sogar einer bei dem ich die Herkunft nicht mal wusste. Ich bin auch angefeindet worden, einfach weil ich mit denen befreundet war. Aber es war mir egal. Sowohl wo meine Freunde herkamen als auch was der Rest der Welt davon hielt. Ich bin nach der Grundschule erstmal auf der Hauptschule gelandet. Hoher Ausländeranteil. Auf einmal war ich die Minderheit. Und das hab ich zu spüren bekommen. Als Pädagoge frage ich mich, wo haben die gelernt, dass man sich Minderheiten gegenüber so verhält? Mir ist bewusst, dass da mehrere Faktore zusammenkommen, aber das ist einer davon.

Wenn sich ein Land gegenüber seinen Gästen so verhält, wie wir das getan haben, dürfen wir uns nicht wundern wenn Subkulturen wie Neuköln entstehen. In seiner Nachbarschaft will die ja keiner haben und sich dann wundern, dass rein türkische Stadtteile entstehen. Das wird dann wieder als „Integrationsverweigerung“ interpretiert. Übrigens ist dieses Wort für mich das Unwort des Jahres 2010 und nicht „alternativlos“.

Die jetzige Situation in Deutschland ist schwierig zu beschreiben. Es gibt gut integrierte Migranten, die eine normale Arbeit haben, in der Lage sind sich zu verständigen und ein zufriedenes Leben hier führen. Wir haben einen Teil der würde ja gerne mitmachen hat aber den Eindruck, dass er nicht darf. Und es gibt bestimmt auch den Teil der nicht will. Wobei ich mich da frage wie viele davon das Resultat aus dem davor erwähnten sind. Ein weiterer kleiner Teil will möglichst schnell wieder zurück. Ich hab jetzt auch keine Patentlösung wie man das Problem lösen kann. Ich habe aber im Laufe meines Lebens gemerkt, wenn ich mich mit Ihnen verständigen kann und meiner Neugier freien Lauf lassen darf, dann fängt man miteinander zu reden und sich zu verstehen. Beispielsweise der Ramadan, woher soll ich wissen was der ist und was da mit muslimischen Leuten passiert, was da passiert und was der eigentliche Zweck ist, wenn ich nicht mit den Leuten reden kann, wenn ich nicht fragen kann. Ich glaube nicht, dass das eigentliche Problem die Sprache ist. Die meisten Menschen die hier Leben sprechen Deutsch ausreichend genug um sich mit ihnen zu unterhalten. Es ist die Grenze im Kopf die die Menschen davon abhält aufeinander zuzugehen und miteinander zu kommunizieren. Und diese Blockade im Kopf müssen wir lösen. Also wenn Ihr das nächste Mal bei eurem Lieblingsdöner um die Ecke steht, bestellt nicht nur „Döner mit Soße, ohne Scharf“ sonder redet erstmal normal mit dem, der kann nämlich Deutsch. Zweitens fragt ihn oder sie, wie es ihm/ihr geht. Ihr werdet staunen wie fett Euer Döner das nächste Mal ist. Übrigens heißt das Gericht eigentlich Kebap. Döner bedeutet „sich drehend“ oder „drehend“. Döner Kebap bedeutet also „sich drehender Kebap“. Klugscheißen macht Spaß.

Mein Aufruf lautet also: Seid offen, geht aufeinander zu, redet miteinander, esst miteinander. Seid einfach nett zueinander.

Hungrig setzt sich

sachma

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