Ägypten und die Folgen

Veröffentlicht: 02/02/2011 in politisch

Lange habe ich nichts mehr geschrieben. Die meisten der Themen die mich beschäftigt haben, sind sehr komplex und undurchsichtig. Wie die Ereignisse in Ägypten, die mich natürlich bewegt haben und die ich zum Thema meines Artikels mache. Obwohl ich viel Nachrichten auf vielen unterschiedlichen Wegen konsumiere, habe ich das Gefühl zu wenig über das Große und Ganze im Nahen Osten zu wissen. Eines ist mir aber klar geworden bei den Bildern und Nachrichten die mich erreicht haben. In Ägypten passiert etwas das die ganze Weltpolitik beeinflussen wird. Auf welche Art und Weise wird die Zukunft zeigen, aber die Welt wird nicht mehr die selbe sein.

Die Bigotterie der westlichen „demokratischen“ Welt wird bei diesen geschichtlichen Ereignissen sehr offensichtlich. Eine Welt die stolz auf ihre Demokratie ist, die demokratische Regeln in ihren Verfassungen verankert hat, unterstützt ein undemokratisches Regime. Die Geisteshaltung die da dahintersteckt finde ich schwer zu fassen. Es sichert die Stabilität in der arabischen Welt, deswegen muss man dieses Regime unterstützen. Solange es also für uns sicherer ist dürfen andere Länder nicht das haben was für uns selbstverständlich ist. Worum geht es denn dabei? Man braucht ein stabiles Ägypten um die Stabilität im Nahen Osten zu garantieren. Nach den Ereignissen der vergangenen Wochen kann unter Mubarak oder einer von Mubarak gestalteten Regierung kein stabiles Ägypten mehr existieren. Zu groß ist das Misstrauen gegenüber den etablierten politischen Kräften. In den Medien sieht man ein Volk das keine Lust mehr hat verarscht zu werden. Das nicht will, dass eine Regierung die durch wiederholten Wahlbetrug an der Macht ist den Übergang zur nächsten Regierung gestaltet. Aufgrund der geographischen Lage muss man auch die Rolle Israels in diesem Konflikt betrachten. Israel ist ein Staat der durch den massiven Einsatz von Gewalt entstanden ist. Durch den ständigen Einsatz von Militär weiten sie die Grenzen immer weiter aus. Das begründen sie mit dem Argument, dass sie vor 2000 Jahren von dort vertrieben wurden. Mit dieser Begründung könnten Indianer anfangen Amerikaner ab zu schlachten, oder die Italiener könnten Deutschland und Frankreich erobern wollen. Die Situation die durch Israel entstanden ist, ist das größte Stabilitätsrisiko im Nahen Osten. Vor ein paar Tagen hat Israel den Rest der Welt aufgerufen Mubarak zu unterstützen. Das würde die Stabilität in der arabischen Welt garantieren. Es entsteht der Eindruck, dass Israel Angst bekommt. Wenn Mubarak verschwindet ist ein starker Nachbar Israels unabhängig von ihrem Einfluss.

Jetzt versucht man den Übergang in die Demokratie friedlich zu gestalten. Wann in der Geschichte hat das geklappt? Wir hatten die französische Revolution, den Bürgerkrieg in Amerika, den blutigen und langen Weg Deutschlands zur Demokratie muss ich hoffentlich nicht beschreiben. Auch die Beispiele der jüngsten Geschichte lassen Zweifel an einem friedlichen Übergang aufkommen. Im Irak hat es nicht funktioniert und Afghanistan ist eine der gefährlichsten Gegend der Welt. Korea ist nach wie vor gespalten und ein Pulverfass der Weltpolitik.

Um ein solches Machtsystem wie in Ägypten los zu werden muss es solch einen Aufstand wie den in Ägypten geben. Aufgrund unserer Geschichte, unserer in der Verfassung formulierten Überzeugungen und der von uns vertretenen Menschenrechte müssen wir das Volk unterstützen. Ich sehe da eine ganz große Chance für die Welt. Ein starkes demokratisches Ägypten könnte eine positiven Einfluss auf die restliche arabische Welt haben. Es gibt dort genug Länder in denen es zurzeit brodelt. Es kann einen Dominoeffekt geben und Ägypten ist der Auslöser, der erste Stein. Ägypten kann zum Vorbild für die kippenden Länder werden. Da liegt es in unserem Interesse das Ägypten ein freies und demokratisches Land wird. Es hat sich eine Chance ergeben, einen wichtigen Teil der Welt zu demokratisieren. Ich hoffe sie verstreicht nicht ungenutzt.

Sich vor einem ganzen Volk verneigend

sachma
Nachtrag 03. Februar 2011 15:00 Uhr:

Seit dem ich heute im Radio gehört habe, dass die Proteste als Demokratiebewegung bezeichnet werden und die Europäische Union diese zu unterstützen gedenkt, bin ich ein kleines bißchen stolzer darauf europäischer Bürger zu sein.

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Kommentare
  1. Michael sagt:

    Die Hoffnung stirbt zuletzt, nicht wahr? Ich persönlich sehe unsere Demokratie als Zeitarbeiter ohne Mindestlohn mit etwas anderen Augen.

    • sachma sagt:

      Ich kann verstehen, dass man als Zeitarbeiter frustiert ist. Aber letzten Endes bist du in diesem Land frei zu tun was dir gefällt. Und das ist es worauf es ankommt. Dass es in unserem System handwerkliche Fehler gibt streite ich gar nicht ab, du darfst dich aber auch auf die Straße stellen un das in die Welt schreien. Diese Rechte meine ich wenn ich über die Demokratie schreibe.
      Was wäre denn dein Gegenvorschlag zur Demokratie? Ich meine das Ernst, wenn du was besseres weißt raus damit.

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