Dr. plag. jur. Freiherr zu Guttenberg

Veröffentlicht: 21/02/2011 in gesellschaftlich, politisch

Heute Mittag kündige ich noch an, dass hier in Zukunft etwas leiser wird und dann kommt so ein langer Text. Ich nenne das jetzt mal „unglückliches Zeitmanagement.

Lange, lange wollte ich nichts zum Thema zu Guttenberg und seinem Plaktor schreiben. Mittlerweile ist es aber so präsent in den Medien, dass ich mir so viel Gedanken dazu gemacht, dass ich diese sortieren muß. Und das geht am Besten wenn ich es aufschreibe.

Die Diskussion hat mehrere Ebenen. Zu dreien möchte ich mich äußern. Diese verschiedenen Ebenen sind, die wissenschaftliche Ebene in der es um die Diskussion geht ob er seinen Doktortitel behalten darf, die politische Ebene, bei der es darum geht welche Auswirkung dieser Vorfall auf seine Amt haben wird oder darf und, last but not least, der Umgang der Politiker mit diesem Thema.

Ich werde in meiner ganzen Argumentation auf die Fälle eingehen die in der Presse bekannt sind und nicht auf die Zahl die von GuttenPlag verbreitet wird. Das hängt damit zusammen, dass ich das für vollkommen übertrieben und nicht fundiert halte. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich, wie so oft, in der Mitte.

Die wissenschaftliche Ebene

Die Zahl der kopierten Stellen in dieser Dissertation ist so hoch, dass ich nicht mehr glaube, dass es sich nur um „Zitierfehler“ handelt. Es fehlen auch die Angaben der Quellen aus denen die beanstandenden Stellen stammen. Schon alleine diese zwei Umstände stellen für mich den Tatbestand der bewußten Täuschung dar. Wenn bei einer solchen Arbeit bewußt getäuscht wurde, ist das ein Grund den Doktortitel abzuerkennen. Dann gibt es noch die Stellen, in denen ein Wort ausgewechselt wird, oder die Stellen in denen die Schreibfehler mit abgeschrieben wurden. Ich werde das nicht weiter auseinandernehmen. Ob er seinen Doktortitel behält oder nicht bestimmt jemand anderes. Aber ob er seinen Doktortitel behalten darf, wird sich auf den Hochschulbetrieb in Deutschland auswirken. Wie kann man Studenten in Zukunft dazu mahnen ihre Hausarbeiten ordentlich und selber zu schreiben, wenn Herr zu Guttenberg seinen Doktortitel behalten darf.

Warum hat er eigentlich überhaupt promoviert, wenn er so wenig Wert auf das wissenschaftliche Arbeiten legt? Ist es bei den Freiherren zu Guttenberg Tradition einen Doktor zu haben? Er hat diesen Titel doch wirklich nicht gebraucht. Seine politische Karriere lief gerade an und jetzt ist ihm der Titel im Weg. Damit erreiche ich

Die politischen Ebene

Die Frage ist, kann das ein Grund sein, um ihn von seinen politischen Ämtern zu entfernen? Die Doktorarbeit hat mit seiner politischen Karriere im Grund nichts zu tun. Er hat als Politiker gehandelt und seine Entscheidungen getroffen. Ganz ehrlich, bis das Thema in den Medien aufkam war mir nicht mal bewußt, dass er ein Doktor der Justerei hat. Es war mich auch egal, ich habe versucht ihn aufgrund seiner politischen Arbeit zu bewerten. Er war sehr geschickt im politischem Geschäft. Auch seine Verbindung mit dem Axel-Springer-Verlag war, rein taktisch gesehen, ein geschickter Schachzug. Ich bin weiter der Meinung, dass es verwerflich ist sich so stark, vor allem, an diese Zeitung zu binden. Aber es hat ihn nach vorne gebracht. All das sind Gründe dafür warum es das eine mit dem anderen nichts zu tun hat. Es gibt ein ganz starkes Gegenargumentation. Das ist der Glaubwürdigkeitsverlust. Er hat betrogen und er hat die Wähler belogen in dem er behauptet, er hätte nicht bewußt getäuscht. Hinzu kommt, dass er beim wissenschaftlichen Dienst des Bundestags eine Ausarbeitung in Auftrag gegeben hat die er fast unverändert in seine Dissertation übernommen hat (vgl. Spiegel-online „Guttenberg in höchster Not“). Ich glaube sogar, dass die CDU/CSU-Fraktion sich keinen Gefallen damit tut an zu Guttenberg festzuhalten. Er verliert immer mehr an Rückhalt im Volk und wenn irgendwann die BILD ihre Meinung ändert bleibt ihnen gar nichts anderes übrig als sein Rücktritt.

Um meine eingangs gestellte Frage zu beantworten. Meiner Meinung nach sollte er jetzt von seinen Ämtern zurücktreten und sich zurückziehen. Wenn er nicht von selbst zurücktritt, wird er zurückgetreten werden. Die CDU würde die nächste Wahl auch mit ihm als Kanzlerkandidaten nicht gewinnen. In ein paar Jahren kann er dann als geläuterter Sünder zurückkehren und wird wahrscheinlich einen riesigen Erfolg haben. Das Beste wäre, er würde eine neue Dissertation verfassen, diesmal ernsthaft, dann nimmt man ihm die Läuterung auch noch besser ab.

Ja, es ist ein Grund ihn zu entlassen. In einer politischen Welt in der es so sehr um Glaubwürdigkeit, bzw. den Schein davon, geht, wie in unserer, ist ein solcher Vorfall auf alle Fälle ein Grund. Vor allem, weil er sich immer als integere Person präsentiert hat.

Der Umgang der Politiker mit diesem Thema

Das ist für mich das schwierigste Thema an der ganzen Geschichte. Natürlich muß auch auf politischer Ebene über dieses Thema gesprochen werden. Die Art auf die das geschieht und die Argumentationen wirken zum Teil etwas seltsam aggressiv, überhastet und unangemessen. Das Auftreten mancher politischen Gegner wirkt sehr selbstgerecht. Das Verteidigen der Parteifreunde wirkt oft sehr überhastet und ähnlich selbstgerecht. Ich habe von politischer Seite bisher wenig Vernünftiges zu diesem Thema gehört, das Vernünftigste leider von einem SPD-Mitglied. Ich mag dieses Aufeinandereinhacken nicht. Das sieht für mich nach einem Hahnenkampf aus. Eine konstruktive Auseinandersetzung ist das bisher nicht. Bisher stehen sich zwei Seiten gegenüber, die eine schreit immer „weg damit“ und die andere „hier geblieben“. Wenn einer anfängt ordentlich zu argumentieren, kommt sofort einer von der Gegenseite und skandiert seinen Spruch. Ich kann ja verstehen, dass die Oppositionsparteien ihren größten Gegner jetzt los werden wollen. Und auch das verkrampfte Festhalten der CDU/CSU ist verständlich. Aber nun mal nicht hilfreich. Und die FDP? Die lehnt sich zurück und schaut zu. Dabei freut sie sich, dass durch den Wind um zu Guttenberg Westerwelle nicht mehr ganz so dumm aussieht.

So, wie gesagt, für mich war das schwierigste Teil der ganzen Geschichte. Um das verloren gegangene Vertrauen einer, im großen Maße enttäuschten, Wählerschaft zurückzugewinnen, ist der bisherige Umgang mit diesem Vorfall auf alle Fälle nicht geeignet.

 

sachma

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