Freiherr lächerlich

Veröffentlicht: 25/02/2011 in ärgerlich, gesellschaftlich, politisch

Da sich an der Doktorenfront des Freiherrn von und zu Guttenberg viel bewegt hat, ohne dass wirklich etwas passiert ist, möchte ich hier meine Enttäuschung über die Politiker dieses, an und für sich gar nicht so üblen, Staates zum Ausdruck bringen. Es ging hin und her. Da ein Rücktrittsforderung, dort eine Durchhalteparole, im Bundestag in einer „aktuellen Stunde“ hat man ihn auf den heißen Stuhl gesetzt und mit dem bösen, bösen Guttilein geschimpft. Und das war’s jetzt? Die Bildzeitung darf noch ein paar Umfragen manipulierenchen, die Guttenberg zum bleiben auffordern, und gut(t).

Ich muß es mal wieder sagen, ich kann gar nicht so viel essen …. Und ich kann eine ganze Menge verdrücken.

Am seltsamsten fand ich die Aussage seinerseits, er möchte den Menschen in diesem Land ein Vorbild im Umgang mit Fehlern sein. Was ist denn das für ein Vorbild? Schreibt Teile seiner Doktorarbeit ab, ich gehe zu seine Gunsten davon aus, dass er sie selber geschrieben hat, belügt seinen Doktorvater, belügt den Rest der Universität und zu seinem Fehler zu stehen heißt dann die Lüge zu verbreiten, er hätte niemals bewußt getäuscht. Bei der Häufigkeit und dem Umfang bei dem das in seiner Doktorarbeit vorkommt kann doch kein Mensch, der mindestens drei seiner fünf Sinne beisammen hat, ihm auch nur ein Wort glauben.

Dann kommen noch ein paar Umstände dazu die mir sauer aufstoßen.

1. Sein Umgang mit der Presse. Ich stimme dem Reporter zu der sagte:

Ehrlich gesagt, (…) bin ich baff, dass ihr Minister so ein Feigling ist …

und auch der Vorstand der Bundespressekonferenz sprach die Wahrheit, als er sagte:

Dieses Verfahren halten wir nicht für fair.

Gibt der eine Presserklärung „vor ein paar ausgewählten Journalisten, die vor dem Ministerium gewartet haben“, ab. Sein Umgang mit der Presse war bis dahin um einiges besser.

2. Seine enge Verbindung mit dem Springerverlag und dessen größtem Ableger der BILD. Solche Menschen wie er sind der Grund warum ein so gefährliches Presseorgan wie der Axel-Springer-Verlag überhaupt so eine Macht hat. Diese, schon beinahe strategische, Verbindung zwischen dem Freiherren und dem Schundblatt zeigt sich in der neuesten Zusammenarbeit. Die große Anzeigenkampagne für die Bundeswehr in BILD, BAMS und auf BILD.de, so kurz nach dem „positiven“ Umfrageergebnis in der BILD, ein Schelm wer da böses denkt.

3. Er zeigt kein Unrechtsbewußtsein.

4. Es gibt wirklich Politiker die sagen, seine Dissertation habe nichts mit Amt und Würden zu tun. Hat eigentlich jemand mal den Titel dieser Doktorarbeit gelesen, nur den Titel. „Verfassung und Verfassungsvertrag. Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ Sie beschäftigt sich mit europäischer Politik. Man hat ihn doch schon längst als den nächsten Bundeskanzler gefeiert. Dann hätte er ganz viel mit europäischer Politik zu tun. Er hat dafür mehrere Ausarbeitungen des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags benutzt (und abgeschrieben). An die wäre er gar nicht rangekommen ohne, dass er Bundestagsmitglied gewesen wäre. Es hat also sehr wohl was mit Amt und Würden zu tun.

Ich habe es schon mal gesagt, ich habe bei der letzten Wahl einen ungültigen Stimmzettel abegegeben, weil ich nicht wußte wem ich meine Stimme geben kann. Das oben beschriebene Verhalten animiert mich nicht dazu mich nächste Wahl anders zu verhalten.

sich frustriert abwendend

sachma

P.S.: Ich bin der Meinung Wahlergebnisse sollten so berechnet werden wie es sinnsucht hier gemacht hat. Das alleine wäre eine wahrheitsgetreu Darstellung.

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Kommentare
  1. sinnsucht sagt:

    Deine Darstellung des „Falles“ von Guttenberg finde ich gut, treffend. Und ich glaube bei Dir einen gewissen Unmut herauszuhören, daß man eigentlich ohnmächtig ist gegen derartige Mißstände, die so offenkundig sind, aber deren Ursache nicht ergründet und schon gar nicht beseitigt werden soll.
    Da wird Unrecht so lange geknetet, bis es dem unmündigen Bürger endlich doch noch als Vorteil(!?) verkauft werden kann (etwa so: ‚K-TzuG leistet als Minister gute Arbeit, es soll ja kein Wissenschaftler sein‘; übrigens wie gut diese Arbeit ist, konnte man heute bei der Trauerfeier für die Afghanistan-Krieger ermessen). Und auch hier gebe ich dir Recht – man kann gar nicht so viel essen…

  2. Sash sagt:

    Ich schließe mich der Aussage mit dem Essen an. Und der werte Herr Autor kennt meinen Kaloriendurchsatz…
    Ich meine, gut, ich konnte den Kerl nie leiden. Da mag mein Urteilsvermögen etwas getrübt sein, bzw. ich mag bisweilen etwas hart urteilen. Aber dieser ganze Vorgang ist so dermaßen unglaublich.
    Sein Umgang mit der Presse ist gelinde gesagt eine Mischung aus Katastrophe und Frechheit und sein Beharren auf seiner Ansicht mehr als peinlich. Das wirklich schlimme aber ist, dass er aufgrund seiner Position nicht etwa besonders genau geprüft wird, sondern auch noch hofiert und gedeckt.
    Da stellt sich unsere Kanzlerin hin und findet die Aberkennung seines Doktortitels richtig – und zwar weil KTvG es so gewollt habe. Wie lange das Spielchen noch gut geht im Superwahljahr… naja, wahrscheinlich zu lange 😦

  3. sachma sagt:

    @sinnsucht
    Ja ich bin ein bißchen frustriert, heute erst habe ich eine weitere Rate BAFöG-Kredit zurückgezahlt. Ich wollte studieren, das war der Grund warum ich mich nach der Mittleren Reife dazu entschlossen habe ein Abitur zu machen. Keiner hat von mir verlangt zu studieren. Und so ein daher gelaufener von und zu studiert, weil man das halt tut und weiler zu faul ist das richtig zu machen schreibt er halt irgendwo ab.
    @sash
    vieleicht schaffen wir es ja zusammen auf die Menge die wir bräuchten 😉 Ich befürchte im übrigen, dass er damit durchkommt. Und das ist was mich erst richtig frustriert.

    • sinnsucht sagt:

      Sasch! Was andere tun, tun andere – ob von und zu oder nicht. Ziele, die Du Dir gesetzt hast, wirst Du allein erreichen. Alleine erreichen müssen. Es sei denn, Du fragst Vertraute(!) oder Freunde um Hilfe. Ich weiß, das kostet Überwindung – aber es wird(!) Dir Hilfe werden …

      • sinnsucht sagt:

        ‚tschuldigung! Ich glaube, ich habe in der Anrede ‚Sash‘ und ‚Sachma‘ verwexelt. Ihr dürft mich hauen, beide 😛

      • sachma sagt:

        Gehauen wird hier nich. Sash hat damals einen Großteil meiner Diplomarbeit mit verantwortet, ohne ihn hätte ich das nicht geschafft.

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