Über das Aufhören

Veröffentlicht: 08/03/2011 in privates

Seit genau 87 Tagen rauche ich nicht mehr. Noch bin ich weit davon entfernt mich selbst als Nichtraucher zu bezeichnen. Denn ich vertrete die Theorie, wer einmal geraucht hat ist immer ein Raucher und wird nie ganz von der Sucht geheilt sein. Nach fast drei Monaten (2 Monate und 28 Tage ;-)) dachte ich, es ist Zeit eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen.

Es fällt mir schwer zu erklären warum es diesmal geklappt hat. Ich habe immer mal wieder zwischendurch ein paar Tage nicht geraucht und immer wieder angefangen. Auch dieses Mal war es eigentlich nicht mein Plan mit rauchen aufzuhören. Irgendwie hat diesmal aber alles gepasst. Wir haben am Abend davor einen kleinen Männerabend veranstaltet. Also Bier getrunken Chips gefuttert und ich für meinen Teil geraucht. Immer mal wieder habe ich das Fenster hinter mir geöffnet um den Rauch rauszulassen. Immerhin hatte mein Mitfeierer vor einigen Monaten aufgehört zu rauchen. Er hat sich nie über die schlechte Luft beschwert oder ähnliches. Es schien mir einfach nur fair. Am Tag darauf traf mich die Kombination aus Erkältung und Kater, der durch den Zigarettenrauch nur noch schlimmer war, mit voller Wucht und ich verlor zeitweise die Lust am Rauchen. Es war immer so, wenn ich krank wurde habe ich aufgehört zu rauchen. In dem Moment hat es mir einfach nicht geschmeckt, es hat eklig im Hals gekratzt und es ging mir danach immer schlechter als davor. Nach vier Tagen war ich dann wieder gesund. An diesen Tagen, mehrere Tage nicht geraucht, so langsam kommt die Lust wieder auf, habe ich irgendwo immer ein kleines Stimmchen gehört, welches mir ins Ohr flüsterte, dass man ja eigentlich schon drüber hinweg sein müsste, die körperliche Abhängigkeit ist überwunden. Aber man tut diese Stimme mit einem lauten „das nächste Mal“ ab. Diesmal hat das Stimmchen zurück gebrüllt „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Ich habe lange mit mir gekämpft und mich immer wieder dazu angemahnt, es diese Mal voll durchzuziehen. Dummerweise hatte ich noch anderthalb Schachteln zu Hause rumfahren. Irgendwann habe ich den Kampf aufgegeben und eine „gute Nacht“ Zigarette geraucht. Sie hat eklig geschmeckt, ich habe sie nur zur Hälfte aufgeraucht und bin dann ins Bett. Am nächsten Tag bin ich mit Kopfschmerzen und einem ganz ekligen Geschmack im Mund aufgewacht. Ich konnte mich an dem Morgen nicht wirklich gut leiden. Ich habe mir vor Augen geführt was ich mir und meinem Körper mit dem Rauchen antue. Dann bin ich in unser Wohnzimmer gegangen habe meine Zigaretten geholt, habe sie aus der Schachtel genommen und in den Mülleimer gekrümelt. Seit diesem Moment habe ich nicht mehr geraucht.

In der ersten Woche mied ich Orte an denen geraucht wurde. Ich war sehr froh, dass wir erstmal in den Nichtraucherbereich der Kneipen gegangen sind. Mittlerweile kann ich mich ohne Probleme wieder in Raucherlokalen aufhalten, ohne dass ich mich da unwohl fühle. Was sich geändert hat ist, dass ich danach mein Klamotten zum lüften aufhänge.

Tag für Tag halte ich mir vor Augen was ich alles durchs Aufhören gewonnen habe. Ich fühle mich gesünder, ich habe wieder eine gute Kondition, ich schmecke und rieche besser, ich stinke nicht mehr nach Rauch und ich habe morgens nicht mehr diesen ekligen Geschmack im Mund.

Aber es gibt diese Momente, diese Momente in denen ich ganz dringend eine rauchen möchte. Sie werden seltener und es kostet mittlerweile fast keine Kraft mehr zu widerstehen. Aber diese Momente sind die gefährlichen. Wenn ich einmal in einem solchen Moment nachgebe, habe ich den Kampf gegen die Sucht verloren. Dieses Wissen hat mir am Samstag Abend geholfen. Für einen ganz kurzen Moment, als Sash und ich wieder im Uffels saßen und nochmal ein Bier auf den Verlust meines iPhones getrunken haben, hätte ich ihn um eine Zigarette gebeten, wenn mir der oben beschrieben Umstand nicht bewußt gewesen wäre. Der Moment war wirklich nur ganz kurz und mein innerliches Nein war so laut, dass es mich gewundert hat, dass es keiner, außer mir gehört hat.

An alle da draußen die mit der Sucht kämpfen, kämpft weiter. Was Ihr gewinnt ist so viel besser als das was Ihr verliert.

sachma

P.S.: Eigentlich sind es keine 87 Tage. Ich unterschlage die halbe Zigarette am vierten Tag einfach gerne 😉

P.P.S.: Ich finde in diesem Zusammenhang die Redewendung „das Rauchen aufgeben“ unangebracht. Sie suggeriert, dass man etwas verliert. Man verliert aber nichts, man gewinnt im Gegenteil sehr viel. Unter anderem gewinnt man Freiheit.

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Kommentare
  1. stefanprass sagt:

    Bei mir sind es jetzt schon wieder über zwei Jahre, aber wie Du schon richtig sagst, man ist nie Nichtraucher.
    Und ebenfalls sehr richtig: Man gewinnt so viel. Ich habe meine Geschmacksnerven wieder zurückgewonnen. Was mir allerdings auch ein paar Kilo gebracht hat. Aber dafür schmeckt das Essen um so viel besser als vorher. 🙂

  2. sachma sagt:

    Vielleicht ist das besser schmeclen auch das Problem. Ich hab jetzt auch ein paar zusätzliche kilos drauf. Aber ich mag das so.

    • stefanprass sagt:

      Ich mochte das auch sehr lange, weil ich ja viel zu lange ein Hungerhaken war. Und dann so ein Delikatessgewölbe vor sich herschieben hatte dann schon was.
      Aber mittlerweile habe ich sogar Probleme mir die Schuhe zu zubinden. Da wurde es doch mal Zeit zu reagieren. 😉

      • sachma sagt:

        tja da is wohl Sport angesagt. Ich für meinen Teil freue mich auf die warme Jahreszeit und die Stunden die ich auf dem Fahrrad zubringen werde.

  3. stefanprass sagt:

    Ich würde sagen: Da ist MEHR Sport angesagt. 😉
    Fahrrad fahren. Da freue ich mich auch drauf. Das macht in unserer Region auch mehr Spaß als bei Euch da unten. Also mir jedenfalls. Bei Euch stören die Berge ganz schön. 😀

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