Abend in der Stadt

Veröffentlicht: 19/08/2011 in gesellschaftlich

In Berlin brennen Autos, Jugendliche gehen auf die Straße und randalieren. Was steckt dahinter? Ich weiß, ich sage wahrscheinlich nichts neues und nichts was nicht in den letzten Tagen andere auch schon gesagt hätten. Nichts desto trotz möchte ich meine Sicht in meinen Worten wiedergeben. Als einer von denen die, wenn das alles vor zehn bis fünfzehn Jahren passiert wäre, zumindest mit den Randalierern sympathisiert hätte.

In der zehnten Klasse hatte ich einen Religionslehrer, den ich sehr verehrte, der davon sprach, dass sich Geld zu einem Gott in unserer Gesellschaft entwickelt. Ich  hab das damals nicht so ganz verstanden und immer gedacht, wir Menschen sind doch schlau genug um nicht ein paar Papierschnipsel anzubeten. Erst vor ein paar Jahren ist mir aufgegangen was er damit gemeint hat. Geld bestimmt in unserer Gesellschaft mittlerweile alles. Selbst unser Wertesystem wird dadurch bestimmt welchen Geldwert eine Sache hat.

Ich beschreibe die Situation sehr zugespitzt und aus Sicht meiner persönlichen Erfahrungen. Wenn ich anderen Menschen von meinem Beruf erzähle, kommt die Sprache irgendwann auf das Gehalt. Zu verbergen, dass ich nicht reich werde mit meinem Job, sehe ich überhaupt nicht ein. Ich bin ein Überzeugunstäter. Irgendwann kommt aber immer eine Person und betrachtet meine Arbeit als wertlos, weil ich keine 2.00 netto verdiene. Den Wert für die Gesellschaft sieht diese Person dann nicht und auch nicht, dass es trotz allem Arbeit ist. Diese Menschen sind es aber die in Wirtschhaft und Politik das Sagen haben.

Wie kommen diese Leute an die Macht? Wir wählen sie. Ob wir das durch Abgabe unserer Stimmen tun oder durch den Kauf ihrer Produkte, wir sind es die diese Situation geschaffen haben

Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen unserer Zeit wachsen mit sehr widersprüchlichen Botschaften auf. Das Volk wird immer ärmer, Jugendarbeitslosigkeit steigt und Konzerne vermelden Jahr für Jahr Rekordgewinne. Gleichzeitig wird irgendwo aber wieder Personal eingespart. Staatsunternehmen hauen Milliarden auf den Kopf und ihre Mitarbeiter müssen veraltete Technik benutzten.

Konzerne bekommen immer mehr Macht. Auch deswegen weil die von uns gewählten Volksvertreter es nicht auf die Reihe kriegen diesem Verhalten einen Riegel vorzuschieben.

Es wächst eine Generation heran denen eine Perspektivlosigkeit gepredigt wird, von der ich nicht mal weiss ob sie wirklich existiert. Dadurch stellt sich ein Gefühl der Hilflosigkeit, der Ohnmacht und der Resignation ein. Auf diese Gefühle haben in der Geschichte der Menschheit Menschen schon immer mit Aggression reagiert. Dränge einen Menschen in die Ecke und er wird versuchen sich mit Gewalt zu befreien.

Was jetzt in London begonnen hat und in Berlin seine Fortsetzung findet, könnte der Beginn einer neuen Aufstandszeit sein wie die RAF sie vor einem halben Jahrhundert gestartet hat. Ich hoffe es nicht. Ich hoffe der Warnschuss wird von genug Menschen gehört, dass wir was ändern können, bevor es zu spät ist.

Viele Menschen, die an vielen Orten, kleine Schritte tun, können das Angesicht der Welt verändern. (Ich hab keine Ahnung von wem das ursprünglich kommt, aber es paßt hier einfach)

sachma

P.S.: Die Überschrift ist eine Anspielung auf das Lied „Abend in der Stadt“ von Aufbruch

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s