Schicksal eines Sozialarbeiters

Veröffentlicht: 26/10/2011 in beruflich

 

Seit zweieinhalb Jahren arbeite ich nun in meinem Job als Berufseinstiegsbegleiter. Es ist eine anstrengende und nervenaufreibende Arbeit und sie macht mir tierisch Spaß. Als ich im Februar 2009 den Vertrag unterschrieb war dieser auf drei Jahre befristet. Moment kurz nachrechnen, genau. Im Februar läuft mein Arbeitsvertrag aus. Im sozialen Bereich ist eine Befristung der Arbeitsverträge durchaus üblich. Die meisten Stellen sind über irgendwelche Projekte finanziert und hängen somit von Entscheidungen von Politikern ab.

Ab Februar bin ich nicht arbeitslos (ich arbeite beim besten Arbeitgeber der Welt), ich darf noch weiter als Berufseinstiegsbegleiter arbeiten, allerdings mit stark reduzierten Stellenanteilen. Die restlichen Anteile arbeite ich in einem anderen Projekt.

Aber ich wollte nicht über mein persönliches Schicksal als Sozialarbeiter sprechen. Sozialarbeiter kümmern sich um den Teil der Gesellschaft, der alleine nicht kann. Jugendliche mit Lernschwächen oder aus schwierigen Verhältnissen, mit sozialen oder gesundheitliche Problemen, Menschen mit Behinderungen körperlicher oder geistiger Natur. Ich bezeichne diese Zielgruppe etwas flappsig gerne als den Bodensatz der Gesellschaft. Meistens wird diese Arbeit durch Projektförderung finanziert. So ein Projekt ist per Definition zeitlich begrenzt. Selbst wenn ein Projekt vorbildlich verläuft und hervorragende Ergebnisse erzielt, wird es in den seltensten Fällen als eine dauerhafte Sache installiert. Außer unserer Arbeit müssen wir uns deswegen auch immer darum kümmern, dass es Folgeprojekte gibt, die uns unser Einkommen sichern.

Sozialarbeiter, Pädagogen usw. machen eine Arbeit die anstrengend und nervenaufreibend ist. Außerdem brauchen wir eine hohe Frustrationstoleranz. Die Erfolge unserer Arbeit zeigen sich erst sehr spät. Das erste Erfolgserlebnis hatte ich nach zwei Jahren im Jugendhaus. Da gab es einen Jugendlichen bei dem mein ewig gleicher Singsang (manchmal wollte ich das auf Tonband aufnehmen) Wirkung gezeigt hat. Leider ist es so, dass auf einen den man erreicht zwei kommen die man nicht erreicht. Bei denen darf man dann auf dem Weg nach unten zugucken. Die meisten Sozialarbeiter sind Überzeugungstäter. Seien wir mal ehrlich, für das Gehalt würden manche Menschen mit Diplom gar nicht erst aufstehen. Wen es interessiert ein Sozialarbeiter in baden Württemberg bekommt TVÖD Entgeldgruppe 8 oder 9. Wenn man mal 10 bekommt ist man hochbezahlt.

Fazit: Anstrengende Arbeit, schlechte Bezahlung (verdammte Scheiße ich hab studiert, ich habe ein Diplom) und dazu noch fehlende Sicherheit. Warum mach ich den Scheiß überhaupt?

Weil ich gut bin in dem was ich tue. Weil ich davon überzeugt bin, dass ich das richtige mache. Weil ich mir morgens gern in die Augen schaue, wenn ich mir die Zähne putze. Und das ist der Grund warum man so mit uns umgeht. Wir lassen es uns bieten.

sachma

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s