„Deine Mutter ist das letzte Bier“

Veröffentlicht: 22/05/2012 in ärgerlich, privates, sportlich

schallte es, als Antwort auf „Gib mir mal das letzte Bier“, durch den Zug als wir in den Münchens Hauptbahnhof einfuhren. Eine anstrengende Zugfahrt von Stuttgart nach München lag hinter uns, auf der ich einiges über Fußballfans im Allgemeinen und Bayern- und Chelseafans im Speziellen, lernen durfte. Gleich vorneweg: Ich mache keine Aussagen über alle Bayernfans, ich schildere lediglich Beobachtungen und Eindrücke die ich an diesem Tag gesammelt habe. Schluss mit den einleitenden Worten es folgt:

Einmal München und zurück in 24 Stunden

Wir fuhren also um kurz nach zwölf in Stuttgart los Richtung München mit Zwischenstopp in Ulm. Die Fahrt nach Ulm war relativ unspektakulär. Dann kam aber der Zug nach München, gerammelt voll mit Leuten die Fußball schauen wollten. Da saßen dann also im hinteren Teil des Zuges die Gäste aus London und freuten sich wie die kleinen Kinder. Es gab Fangesänge wie zum Beispiel „We are the Chelsea-boys“ (ich hatte zuerst fools verstanden) oder „We are the blues“ und lauter Chelsea-ist-der-beste-Verein-ever-Gesänge. Ich fand das eigentlich voll nett. Man sitzt gemeinsam im Zug, freut sich auf ein packendes Spiel und feiert seine jeweilige Mannschaft…. Denkste jetzt kam die Erwiderung einiger Bayernfans im Zug. Und die ging so „Ladiladiladilo BVB Hurens….“ und da waren sie sich schon nicht mehr einig, ob sie „…sohn“ oder „…söhne“ singen sollten. Als erstes fragte ich mich was das jetzt mit der Champions League zu tun hat. Bis mir dann der Gedanke kam, dass sie einfach schlechte Verlierer sind.

In München ausgestiegen und… alter Verwalter… war die Stadt voll. Überall Menschen in roten T-Shirts. Was für ein Eindruck. Um 16:00 Uhr nirgendwo mehr ein Platz für vier Leute um sich das Spiel anzugucken. Dabei ist mir aufgefallen wie wenig ich in München leben könnte. Ich weiß nicht ob das Verhalten einfach ein typisch münchnerisches Verhalten ist oder ob die wirklich der Meinung sind über allen anderen zu stehen. Diese Überheblichkeit und Arroganz mit der sie uns begegnet sind, hat mich abgestoßen. Und ist auch bezeichnenderweise die selbe die ich immer wieder dem Verein vorwerfe. Keiner war bereit ein bisschen zusammenzurücken damit wir uns auch noch dazu setzen können. Zum Glück kannte FCB-Fan No. 1 Leute in München die schon eine Bank erobert hatten. Also auf in den nächsten Biergarten. Ab diesem Zeitpunkt habe ich mich komplett auf dieses Erlebnis eingelassen und mich auf das Abenteuer Champions League Finale eingelassen und hab in den Fußball-Modus geschaltet.

An das Spiel erinnere ich mich nicht mehr wirklich. Nur noch an den ständigen Kampf um einen unverdeckten Blick auf die Leinwand. Von der ersten Halbzeit habe ich einfach wirklich nichts gesehen. Und die zweite Halbzeit auch nur in Bruchstücken. Zum Spiel nur so viel: Muss ich den immer recht haben? Na gut es war nicht Gomez der den Sieg verschenkt hat sondern Roben aber ansonsten…. Diesmal hätte ich gerne auf Recht haben verzichtet. Wie auch schon Barcelona hat Bayern den Sieg gegen Chelsea selber hergegeben.

Dann wurde der Abend seltsam. Nachdem wir aus der Depression wieder aufgetaucht waren, war das erste was ich merkte, dass irgendeine lebensunwürdige Existenz mir meinen Rucksack geklaut hatte. Nichts in diesem Rucksack hatte irgendeinen materiellen Wert. Alles darin hat für mich eine emotionalen Wert. Meine allerliebste Jeans, die mir perfekt gepasst hat. Mein Foo Fighters Pulli den ich mir auf dem Southside gekauft habe. Meine Ultimate 175g Frisbee die ich immer bei mir habe (hatte). Mit dieser Frisbee hatte ich den weitesten Wurf den ich jemals geworfen habe und der wurde auch noch gefangen. Ich bin durch diesen beschissenen alten botanischen Garten getobt und hab den Dieb im speziellen und die Welt im Allgemeinen verflucht und beschimpft. Wäre ich nicht in einer betrunken friedlichen Stimmung gewesen hätte ich mich wahrscheinlich mit irgendjemandem geprügelt.

Dieser Tobsuchtsanfall fand auch irgendwann wieder ein Ende. Ich fand mich mit dem Verlust ab und wir gingen in irgendeinen Club, den ich im Normalfall einfach links liegen gelassen hätte. Aber auch da hatten wir noch ein oder zwei Stunden Spaß. Auf jeden Fall hatte ich dann irgendwann die Schnauze voll und bin gegangen, hab mir noch was zu essen besorgt und bin dann Richtung Hauptbahnhof gewankt, den ich wie durch ein Wunder auch gefunden habe. Dort angekommen kam ich mir vor wie auf einer Gegendemo bei einem NPD-Aufmarsch. Alles voll mit gepanzerten Mitarbeitern der Staatsgewalt. Manchen Bahnsteig durfte man nur betreten wenn man ein dementsprechendes Ticket hatte. Bezeichnerderweise waren das die Bahnsteigs (ist das die Mehrzahl) mit ICE Anschlüssen. Irgendwann hatte ich auch das Gleis gefunden von dem wir abfahren wollten. Der Rest der Gruppe, mittlerweile stark reduziert durch Frühheimkehrer, kam dann auch noch an und nach einem kurzen Zwischenstopp beim Burger King, sind wir wieder zurück an unser Gleis. Der Zug, der in München abfuhr, wurde mit zwanzig Minuten Verspätung bereit gestellt worden.

Jetzt wird’s knifflig. Ich beschreibe mal die Situation in der ich mich in diesem Stadium befunden habe. Es war ungefähr halb sechs Uhr morgens nach einer durchgefeierten Nacht und mit einem Vollrausch in der Birne, der zwar schon wieder so weit abgeklungen war, dass ich die Gefährlichkeit der BILD argumentativ belegen konnte. Ich mir aber nicht sicher bin ob cih auch überzeugend war. Ich kam mir dabei sehr überzeugend vor. Also 19 Stunden nicht geschlafen, sturzbetrunken und in der Gewissheit, dass ich noch mehrere Stunden Zugfahrt vor mir hatte stand ich am Bahnsteig und sah den Zug einfahren. Der Bahnsteig war voll, und mit voll meine ich voll. Wir standen also da, der Zug fuhr ein und wir standen genau zwischen zwei Türen. Als wir endlich in dem Zug standen war alles dicht gedrängt und die meisten Menschen um mich rum lösten eine akuten Brechreiz bei mir aus. Gefühlte zwanzig Minuten später sagte der Zugführer durch, dass der Zug nicht los fahren könnte wegen „Übergewichts“. Ich war so heilfroh als ich wieder aus dem Zug raus war, dass ich spontan und unwiderruflich beschlossen habe da nicht mehr einzusteigen.

Dieser Beschluss war so unwiderruflich, dass ich mich auch gegen den Rest der Gruppe durchsetzte und lieber irgendwie alleine nach Hause gefahren bin als nochmal in den Zug einzusteigen. Leider, und zum Pech für sie, haben sie sich mir nicht angeschlossen , sondern sind zurück in den Zug. Ich bin ein bisschen über den Bahnhof geschwankt, bis ich eine Zug entdeckt habe der nach Nürnberg fuhr. Mir kam das irgendwie wie die richtige Richtung vor, also bin ich eingestiegen und hab die ersten Leute die ich getroffen habe gefragt ob sie mich auf ihrem Wochenendticket mitnehmen würden. Wer hätte das gedacht, Sitzplatz im Zug, genug Platz für alle zum Sitzen, nur einen Zwischenstopp bis Nürnberg und eine so entspannte Atmosphäre, dass ich sogar wirklich eine halbe Stunde vor mich hin gedöst habe. In Nürnberg habe ich mir ein Ticket nach Stuttgart gelöst und bin in den Zug in genau diese Richtung eingestiegen. Diesmal hatte ich sogar einen dieser Vierersitze für mich alleine. Der Zug hielt sogar fast in meiner Heimatstadt. Nachdem der Zug mich dort abgeliefert hatte, hatte ich noch einen zehnminütigen Fußmarsch vor mir. Und um elf Uhr war ich dann daheim. Ich hab noch bis um halb fünf ausgehalten, bis ich fast im Stehen eingeschlafen bin und bin dann ins Bett. Vierzehn Stunden Schlaf und ich war wieder einigermaßen hergestellt.

Mein Fazit? Die meisten FCB Fans die mir an diesem Tag begegnet sind mag ich nicht. Wobei die meisten die ich kennengelernt habe waren mir sympathisch. Aber mal im Ernst, wir reden hier von einem Schlag Menschen die Kleidungsstücke tragen, auf denen steht „Euer Hass ist unser Stolz“. Was ist denn das, wenn man anderer Leute Hass braucht um Stolz sein zu können? Wenn die Antwort auf die Fangesänge der gegnerischen Mannschaft, Hassgesänge gegen den nationalen Konkurrenten ist? Allerdings war dieses Fest, bis auf sein tragisches Ende, ein Erlebnis, das es wert war.

Und eine Sache habe ich noch zu sagen. Wenn es Absicht war meinen Rucksack zu klauen, dann wünsche ich diesem Abschaum die Eierfäule, auf das ihm sein Penis abfalle. Und wenn es eine Frau gewesen ist, dann wünsche ich ihr die Tittenfäule und dass ihre Muschi verfaulen möge. Auf jeden Fall soll dieser Teil des menschlichen Genpools gelöscht werden.

Ich schließe mit den Worten eines großen Mannes der cineastischen Kunst: „Ich bin zu alt für diesen Scheiß“ (Roger Murtaugh)

sachma

 

 

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Kommentare
  1. Stefan sagt:

    Schade um den Rucksack und vor allem dem Frisbee…
    Wie ist es denn den anderen bei der Rückfahrt ergangen?

    • sachma sagt:

      Ja Mann meine Frisbee heul in rot und so voll toll.
      Ich weiß es nicht, wir ham uns seither nicht mehr gesprochen. Ich glaub die sind beleidigt mit mir. Ich hab mich noch nicht entschieden, ob ich beleidigt bin oder nicht 😉 Mal schaun was kommt.

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